Eigentlich sollte ich mich freuen. Ich habe über 70 Kilo wunderschönes Leinengarn zum Klöppeln „gerettet“. Und ja, ich freu mich ja auch – gleichzeitig ist diese große Lieferung ein Zeichen von vielen kleinen und großen, lauten und leisen Abschieden. Im Fall des schönen Garns beginnt sich einer von ohnehin schon wenigen europäischen Hersteller dieses Rohstoffs zu verabschieden. Gerhard Meisinger ist gelernter Weber, hat in der letzten Leinenspinnerei Österreichs gearbeitet und später begonnen mit italienischem Leinengarn eine kleine Marke für Klöppel- und Webarbeiten zu etablieren. Goldschild ist sein Firmenname. Inzwischen ist er über 70 und eigentlich schon in Pension. Obwohl er ans Aufhören denkt, kann Gerhard nicht so ganz loslassen. Auch weil er weiß, dass niemand nachfolgen wird. Zu klein ist der Markt für seine Garne geworden. Klöpplerinnen haben wenig Nachwuchs und damit gehen ihm die KundInnen aus. Die Leinengarne fürs Weben hat er schon gar nicht mehr im Vertrieb. Alle seine gewerblichen HandweberInnen haben inzwischen aufgehört und das Klein-Klein Geschäft im Hobbybereich ist zu mühsam. Gutes Material zu bekommen, egal für welches Textilhandwerk wird also immer schwerer. Kein Material, keine Handarbeit und die Schwelle für NeueinsteigerInnen in diese Hobbies steigt.
Bei der Firma „Handweberei Moser“ in Wegscheid, ganz in der Nähe von „meinem“ Webereimuseum ist der lange textile Weg auch fast zu Ende gegangen. Laut Franz-Xaver Moser fehlt es nicht an Aufträgen, aber an einem Nachfolger. Als eine der größten Handwebereien Deutschlands mit 16 Stühlen und einer fast 70-jährigen Firmengeschichte reißt der Abschied der Mosers eine deutliche Lücke in die Handwerkstradition der Region. Einst waren Wegscheid und Breitenberg eines der wichtigsten Zentrum der Leinenweberei mit über 800 Weberinnen und Webern. In ein paar Jahren wird diese Zahl auf Null gesunken sein. Dabei geht es nicht darum etwas zu erhalten, das niemand mehr will – die Mosers verkaufen gut und die KundInnen kommen aus ganz Deutschland. Nur junge Weber gibt es leider keine mehr, die so einen Traditionsbetrieb in der Stille des Bayerischen Walds übernehmen wollen würden.
So geht ein Betrieb nach dem anderen. Unsere Welt wird ärmer an Schönheit, an mit Ruhe und Bedacht gefertigten Textilien und an den Geschichten die gebunden sind an jedes handgemachte Tischtuch, jeden Meter Stoff. Ich wäre nicht ich, würde ich das Scheiden der Mosers einfach so hinnehmen. Das Wegscheider Land braucht zumindest noch einen Webereibetrieb und auch wenn man ihn vielleicht nicht mehr so führen kann, wie vor 80 Jahren, mit ein paar neuen Ideen müssten wir die Geschichte doch weiterschreiben können…. Stay tuned…. Ich denke schon nach!








